Pressestimmen

Himmelmoor: Garten ist Teil des globalen Netzes von USA bis China

aus Pinneberger Tageblatt vom 30.12.2008

Dem Klimawandel auf der Spur
In der Anlage werden Daten über Austrieb, Blüte, Fruchtreife und Blattfall von 16 Pflanzen ermittelt.
Von Burkhard Fuchs

Quickborn -
Quickborn ist jetzt in einem Atemzug mit solchen Städten wie Milwaukee und Peking zu nennen. Denn der phänologische Garten im Himmelmoor gehört zu einem globalen Netz von Anlagen, die die Klimaveränderung dokumentieren. Dieses Netz reicht von den USA bis nach China.

Weltweit werden in den Gärten alle Daten über Austrieb, Blüte, Fruchtreife und Blattfall von 16 bestimmten Pflanzen, je acht Obst- und Zierpflanzen, gesammelt und an die Humboldt-Universität in Berlin gemeldet, die daraus eine Datenbank erstellt. Dieses Netz knüpft an die 78 phänologischen Gärten in Europa an, die bereits seit Jahrzehnten in 18 Ländern - von Finnland bis Portugal - diese Beobachtungen an 28 genetisch identischen Pflanze und Sträuchern vornehmen, die von derselben Mutterpflanze abstammen.

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Das plastische Beispiel regt zum Umdenken an
Pflanzen im Vergleich
Die Langzeituntersuchungen haben ergeben, dass sich in den vergangenen 35 Jahren die Vegetationszeit um zehn Tage verlängert hat. Die Pflanzen werden etwa eine Woche früher grün und drei Tage später gelb, erläutert Frank-Michael Chmielewski von der Humboldt-Universität. Bei dem Wissenschaftler laufen alle Daten zusammen. Jeder Temperaturanstieg von einem Grad Celsius verschiebe die Blattbildung der Pflanzen um etwa eine Woche nach vorne, lautet die Erkenntnis. Das deckt sich mit den Daten der Wetterforschung. Ihre Kernaussage ist: Seit 1961 ist es in Deutschland um durchschnittlich 0,7 Grad Celsius wärmer geworden, um 0,15 Grad je Jahrzehnt, zeigen die Aufzeichnungen des DWD. Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren beschleunigt. Chmielewski: "Seit Ende der 80er-Jahre haben sich die Temperaturen deutlich erhöht. Somit zählen die 90er-Jahre sowohl im globalen Maßstab wie auch regional zum wärmsten Jahrzehnt seit Beginn unserer Aufzeichnungen."

Auch hierzulande gibt es große regionale Unterschiede, erläutert Tobias Borchardt, der den Klimagarten am Himmelmoor betreut. So blüht die Haselnuss an der Westküste Anfang Januar, während sie im Landesinnern meist erst im Februar zu sehen ist. Und bei der Süßkirsche reicht dieser Zeitraum von April (Flensburg) bis Juni (Dithmarschen). Auch das Himmelmoor sei oft später dran, weil es dort etwas kälter sei, erklärt Borchardt.

Diesen Klimawandel im Kleinen können jetzt die Schulen in Schleswig-Holstein im Praxis-Unterricht nachbilden. So beteiligt sich der phänologische Garten am Quickborner Himmelmoor jetzt an einem landesweiten Programm des Heimatbundes (SHHB), der dazu aufruft, Schulgärten mit identischen Pflanzen und Bäumen zu bestücken, um Schülern die Natur und Umwelt in der Praxis nahe zu bringen.

"Das ist ein guter Weg, Kinder und Jugendliche an die Naturbeobachtung heranzuführen", sagt Rainer Hüster vom Referat für Natur und Umwelt beim SHHB. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder "brennend interessiert sind", was in der Natur passiert, wenn sie nur richtig herangeführt werden.

Gärtnermeister Borchardt und sein Team haben bei einer Grundschule in Wankendorf bei Kiel einen ersten solchen phänologischen Schulgarten angelegt. "Den Lehrern fehlt oft das richtige Händchen, wie sie den Garten anlegen sollen. Da helfen wir gerne und bieten auch Seminare im Himmelmoor an."

Dass das Beobachten und das Pflanzen eine spannende Sache sein können, glauben viele nicht, sagt Borchardt: "Das ist wie die Entdeckung der Langsamkeit. Aber so wird der Klimaschutz greifbar."

* Kontakt: Tobias Borchardt, bfh, Heinrich-Hertz-Straße 20, 25421 Quickborn, Telefon: 04106/622 919-0, E-Mail: Tobias.Borchardt (at) bf-himmelmoor.de

* Rainer Hüster, SHHB-Landesgeschäftsstelle, Hamburger Landstraße 101, 24113 Molfsee Tel.: 0431/98 384-20), E-Mail: r.huester (at) heimatbund.de

erschienen am 30. Dezember 2008

So wandelt sich unser Klima

aus Pinneberger Tageblatt 01.09.2008


Im phänologischen Garten ist zu sehen, wie die Vegetationsperiode sich im Laufe der Jahrzehnte verschoben hat.
Von Burkhard Fuchs

Quickborn -
Der vierte autofreie Sonntag in diesem Jahr widmet sich voll und ganz dem Thema Klimaschutz. So wird der kreisweite Aktionstag am 21. September im Quickborner Himmelmoor begangen. Nirgendwo sonst in Norddeutschland wie dort im phänologischen Garten ist der Klimawandel hautnah zu beobachten. "Einen besseren Ort für den Aktionstag freie Fahrt fürs Klima hätten wir uns nicht aussuchen können", ist Sabine Roberts überzeugt, die als Klimaschutzbeauftragte der Kreisverwaltung das Programm für diesen Tag koordiniert.

So können die Besucher an diesem Sonntag wie bereits am 20. Januar, 20. April und 20. Juli wieder im gesamten Bereich des Hamburger Verkehrsverbundes kostenlos mit Bus und Bahn fahren. Shuttle-Busse bringen die Besucher direkt vom AKN-Bahnhof in Quickborn zum 4,3 Hektar großen Gelände der Bildungs- und Förderstätte Himmelmoor (bfh) an der Heinrich-Hertz-Straße, die auch den phänologischen Garten für den Deutschen Wetterdienst betreibt.

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Genetisch identische Pflanzen im Klimagarten
Dort wird es eine ganze Reihe von Informationsständen zum autofreien Sonntag geben. Das Busunternehmen VHH-PVG wirbt für seinen öffentlichen Personennahverkehr, den im vorigen Jahr erstmals mehr als 100 000-Fahrgäste nutzten. Der passionierte Radfahrer Hartmut Teichmann stellt das neue Pendlerportal vor, das den rund 50 000 Menschen, die täglich aus dem Kreis Pinneberg zur Arbeit nach Hamburg fahren, die Möglichkeit bietet, Fahrgemeinschaften mit anderen Pendlern einzugehen. Der Kontakt wird über das Internet hergestellt: "www.pendlerportal.de".

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub wird mit einem Fahrradcheck vertreten sein. E.on-Hanse will zum Energiesparen aufrufen und über seine Aktivitäten bei Solar- und Windstrom berichten. Ein Experte für Baumpflege erklärt, wie das Fällen von Bäumen verhindert werden kann. Die Bürgersolaranlage Pinneberg wirbt um weitere Unterstützer. Dazu werden Loren-Fahrten Himmelmoor angeboten. Und die Verkäufer-Auszubildenden des bfh versorgen die Besucher mit Speisen und Getränken.

Am interessantesten dürften aber die halbstündlichen Führungen von Gärtnermeister Tobias Borchardt sein, wenn er zwischen 10 und 17 Uhr den Besuchern seinen vor einem Jahr reaktivierten phänologischen Garten zeigt, wo er anhand von zwei Dutzend Bäumen und Sträuchern beweisen kann, dass die Vegetationsperiode sich im Laufe der Jahrzehnte um zwei Wochen nach vorne verschoben hat (siehe Kasten).

Und da am 21. September auch der Tag des Geotops gefeiert wird, wird es an diesem Sonntag auch Shuttle-Busse zur Liether Kalkgrube nach Klein Nordende geben.

erschienen am 1. September 2008

Aus dem Heimatspiegel Norderstedt vom 5.9.2007

 

Aus dem Quickborner Tageblatt vom 25.08.2007

Anziehungspunkt für Touristen

Im Phänologischen Garten auf dem Areal der ehemaligen Quickborner Wetterstation werden wichtige Daten zum weltweiten Klimawandel gesammelt. Das betonte gestern Professor Frank-Michael Chmielewski von der Berliner Humboldt-Universität.

Die ehemalige Quickborn Wetterstation soll nicht nur zu einem Anziehungspunkt für Naturliebhaber und Touristen werden. Die Bildungs- und Förderstätte Himmelmoor (bfh), die die Anlage 2002 für ihre Sozialarbeit übernahm, will dort künftig verstärkt auch wissenschaftliche Daten über die Pflanzenentwicklung für das europaweite Forschungsprojekt sammeln.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher (CDU) überreichte gestern den beiden bfh-Geschäftsführern Michael Behrens und und Jan-Henrik Schmidt sowie Einrichtungs-Leiterin Caroline Domnick eine mit 35 000 Euro verbundene Anerkennungsurkunde für den Pänologischen Garten mit seinen 21 Baum- und Straucharten. Dieser ist nunmehr der 51. Naturerlebnisraum im nördlich sten Bundesland.

Der aus Appen stammende Minister räumte ein, dass er früher von den viel zu langen Radtouren mit den Eltern ins Himmelmoor nicht zu begeistern war. Doch das habe sich mit zunehmenden Alter schnell geändert. Dass sich auf dem Areal der ehemaligen Wetterstation einer von europaweit 70 Phänologischen Gärten befindet, in dem für die Klimaveränderungen wichtige Daten gesammelt werden, habe er erst vor kurzer Zeit erfahren.

"Ich finde es hervorragend, wie hier die Bildungs- und Behinderten-Arbeit mit diesen Aufgaben verzahnt wird", lobte der Minister. Denn die bfh will das 4,3 Hektar große Areal an der Heinrich-Hertz-Straße auch für Touristen öffnen, die in einem Info-Center mit Café alles über das Moor, den Torfabbau und den Phänologischen Garten erfahren.

Mit finanzieller Unterstützung der Rotarier aus Quickborn und Norderstedt plant der pensionierte Landschaftsarchitekt Ernst-Dieter Hess dort ferner einen Staudengarten, in dem auch alle Sinne der Besucher angesprochen werden. Dieser habe zudem eine Therapie-Funktion für die mehrfach- und schwerstbehinderten Menschen, die von der bfh dort betreut werden.

Quickborns Erster Stadtrat Klaus H. Hensel (CDU) bezeichnete die bfh als eine in jeder Beziehung "segensreiche Einrichtung für die Stadt". Auf dem Gelände der Tagesförderstätte entstehe nun ein einzigartiges Vorzeige-Projekt für Quickborn. Ihm schwebt ein neuer Wanderweg auf der Trasse der alten Torfbahn vor, der über das bfh-Areal führe und das Himmelmoor mit der Quickborner Innenstadt verbinde. An verschiedenen Stationen sollen die Wanderer alles über den Torfabbau, die Aufgaben in der ehemaligen Wetterstation und die Klima-Entwicklung erfahren.

von Peter Schweinberger

Professor Dr. Frank-Michael Chmielewski wertet die Daten aus.

Dr. Christian von Boetticher (von links), bfh-Leiterin Caroline Domnick, Geschäftsführer Michael Behrens, Landrat Dr. Wolfgang Grimme und Geschäftsführer Jan-Henrik Schmidt freuten sich über die Auszeichnung vom Land. Fotos (2): Schweinberger Quickborn.


Anerkennung:
Phänologischer Garten in Quickborn als Naturerlebnisraum anerkannt

Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
Erscheinungsdatum: 24.08.2007
 
Verantwortlich für diesen Pressetext: Dr. Ernst-Michael von Abercron, Christiane Conrad

QUICKBORN. Am heutigen Tage überreicht der Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher die Anerkennungsurkunde für den Naturerlebnisraum Phänologischer Garten an die Bildungs- und Förderstätte Himmelmoor gGmbH. Auf dem Gelände der ehemaligen Funk- und Wetterstation Quickborn befinden sich alle Pflanzen, die zu einem Phänologischen Garten gehören. An diesen Pflanzen werden die Wachstumserscheinungen wie Blattaustrieb, Beginn der Blüte, Fruchtreife oder herbstliche Blattverfärbung erfasst und zentral an der Humboldt-Universität Berlin ausgewertet. Bereits seit 1957 läuft das Erfassungsprogramm in mittlerweile 70 Gärten in ganz Europa. "Ich freue mich ganz besonders, dass sich Quickborn an den Beobachtungen und Meldungen beteiligt", sagte Minister von Boetticher und sprach der Humboldt-Universität Berlin zum 50jährigen Jubiläum seine Glückwünsche aus. Die Phänologie, also die jahreszeitlichen Entwicklungsstände der Pflanzen sollen auch den Besuchern im neuen Naturerlebnisraum nahe gebracht werden. Für die Herrichtung des Geländes im Naturerlebnisraum, die Beschriftung der Pflanzen und für einen Informationspavillon übergab der Landwirtschaftsminister der Bildungs- und Förderstätte Himmelmoor einen Zuwendungsbescheid über fast 35.000,- Euro.

"Besonders freut es mich, dass sich der neue Naturerlebnisraum Phänologischer Garten intensiv am Projekt "Garten für Kinder und junge Naturforscher" auf der Landesgartenschau 2008 in Schleswig beteiligen wird", hob der Minister hervor. Er persönlich freue sich schon auf das Zusammenbauen der Vogelnistkästen, die hier in Quickborn vorgefertigt werden und die die jungen Besucher der Landesgartenschau dann auch mit nach Hause nehmen dürften. 
 


Quickborn Umweltminister übergab Urkunde an Förderstätte Himmelmoor

Ein Naturpark für die Sinne

Auf dem Gelände der ehemaligen Wetterstation werden auch 120 lernschwache Jugendliche auf den Beruf vorbereitet.

Von Burkhard Fuchs

Quickborn -

Das vier Hektar große Gelände der ehemaligen Wetterstation am Quickborner Himmelmoor ist jetzt einer von 50 Naturerlebnisräumen in Schleswig-Holstein. Am Freitag übergab Umweltminister Christian von Boetticher die Anerkennungsurkunde an die Nutzer dieser 2000 aufgelösten Einrichtung, die Bildungs- und Förderstätte Himmelmoor (bfh), die dort 120 lernschwache Jugendliche ausbildet und auf den Beruf vorbereitet und 14 mehrfach schwerstbehinderte Erwachsene betreut.

Die Anerkennung ist mit einem Zuschuss von 35000 Euro verbunden. Mit diesem Geld soll der 1988 angelegte und sieben Jahre später aufgegebene phänologische Garten wieder erneuert werden. 70 dieser Gärten gibt es mittlerweile in ganz Europa, in denen vor 50 Jahren 23 gleichartige Laub- und Nadelbäume sowie Sträucher (u.a. Eichen, Fichten, Kiefern, Weiden und Haselnuss) angepflanzt wurden.

Ursprünglich war das Ziel, die Umwelteinflüsse auf den Pflanzenwuchs zu analysieren, erläuterte der Meteorologe Dr. Frank-Michael Chmielewski von der Humboldt-Universiät dieses Programm. Bei dem Meteorologen laufen die Werte aller Gärten von Portugal bis Mazedonien, von Skaninavien bis Italien ein. 60 000 Daten habe er bereits gesammelt. "Heute ist die Fragestellung aufgrund der aktuellen Ereignisse eine andere", erklärt Dr. Chmielewski. "Nun forschen wir, wie die Pflanzen auf den Klimawandel reagieren." Wann blühen sie, wann verlieren sie die Blätter?

"Ein erstes Ergebnis zeigt, dass bei einem Grad Temperaturerhöhung die Bäume eine Woche früher Blätter kriegen." Durch die klimatisch unterschiedliche Lage der 70 phänologischen Gärten könnten von der Vegetation in Italien Vorhersagen für die in Deutschland in der Zukunft gemacht werden.

Neben dem Klima-Garten wird ein Garten angelegt, der die Sinne der betreuten Behinderten ansprechen soll, kündigte Landschaftsarchitekt Ernst-Dietmar Hess an, der das Projekt entworfen hat. Dieser Naturpark wird allen Bürgern offenstehen. Ein Wanderweg in das Himmelmoor, der die Historie von Torfabbau und Wetterstation beschreibt, soll folgen.

erschienen am 25. August 2007 im Hamburger Abendblatt